Definition:
Unter einem Karzinom versteht
man eine bösartige Wucherung der Schleimhaut. Bei einem Befall des
Enddarms (Rektum) spricht man von einem Rektumkarzinom.
Der Mastdarm beginnt ca. 2cm oberhalb des Afters umfasst die letzten ca. 16cm des unteren Verdauungstraktes In den meisten Fällen entwickeln sich diese Tumoren aus Polypen.
Diese Erkrankung stellt in Deutschland gemeinsam mit dem Kolonkarzinom bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebserkrankung dar. Derzeit sind in Deutschland pro Jahr etwa 65.000 Patienten von einer Neuerkrankung betroffen.
Riskofaktoren:
Männer erkranken im
Durchschnitt mit etwa 65 Jahren, Frauen mit etwa 70 Jahren. In nur
etwa jedem 10. Fall ist der Patient jünger als 40 Jahre. Ein
erhöhtes Erkrankungsrisiko liegt vor, wenn bereits Verwandte ersten
Grades (Eltern und Geschwister) an einem Darmkrebs erkrankt sind.
Ein sehr hohes Erkrankungsrisiko haben Patienten mit den sehr
seltenen Erkrankungen FAP (familiäre adenomatöse Polyposis mit
einem Befall des gesamten Dickdarmes mit Polypen) oder HNPCC
(hereditäres, nicht polypöses kolorektales Krebssyndrom) vor. Der
Verdacht auf ein HNPCC wird dann erhoben, wenn mehrere erstgradig
Verwandte in jungen Jahren an Darmkrebs erkranken.
Symptome:
Nicht in allen Fällen der
Erkrankung treten frühe Symptome wie zum Beispiel Blutbeimengungen
im Stuhl, Änderungen des Stuhlverhaltens mit neu aufgetretener
Verstopfung oder Durchfällen, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust oder
Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit auf. Beim Auftreten
derartiger Symptome sollte jedoch umgehend der Hausarzt aufgesucht
werden, damit in begründeten Fällen eine Dickdarmspiegelung
(Koloskopie) durchgeführt wird. Mit dieser Untersuchung lässt sich
eine Geschwulst des Darmes sicher entdecken oder eben auch
ausschließen. Die konsequente Abklärung ist umso wichtiger, wenn
gleichzeitig andere Erkrankungen bestehen, die ähnliche Symptome
verursachen, wie z.B. Hämorrhoiden.
Schreitet das Tumorwachstum weiter fort, kann es zu einem Darmverschluss oder im Extremfall auch zu einem Darmdurchbruch kommen.
Individuelle Therapie:
In Frühstadien ist
die Erkrankung durch eine Operation heilbar, in Ausnahmefällen
sogar durch eine Tumorentfernung im Rahmen einer Darmspiegelung
(Polypektomie, Mukosektomie). Für den Erfolg der Operation ist es
ganz entscheidend, dass neben dem tumortragenden Darmabschnitt auch
die zugehörigen Blut- und Lymphgefäße und Lymphknoten mitentfernt
werden, da hier in manchen Fällen schon verstreute Tumorzellen
enthalten sind. Lassen sich in der Gewebeuntersuchung des
entfernten Darms Tumorzellen in Lymphknoten finden, so sollte nach
der Operation eine Radio-Chemotherapie erfolgen. Dadurch wird das
Risiko deutlich gesenkt, dass sich im weiteren Verlauf Tumorableger
(Metastasen) in anderen Organen absiedeln. Aber auch in diesem Fall
ist prinzipiell eine Heilung der Erkrankung möglich.
Die Therapie des Rektumkarzinoms hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt.
Bei vorliegendem Verdacht auf eine fortgeschrittene Erkrankung wird zunächst eine kombinierte Chemotherapie und Bestrahlung für 6 Wochen durchgeführt und die Operation nach weiteren 6-8 Wochen angeschlossen. Dadurch lässt sich das Risiko eines Krebsrückfalls entscheidend senken.
Nur in Frühstadien wird derzeit unmittelbar eine operative Therpie durchgeführt.
Für jeden Patienten wird in einem gemeinsamen Arbeitskreis (Tumorkonferenz) aller beteiligten Fachabteilungen das individuelle beste Vorgehen festgelegt und organisiert.
Die Erhaltung des Schließmuskels und der Verzicht auf einen dauerhaften künstlichen Darmausgang (Stoma) kann heute zu über 90% realisiert werden.
Erfolgreiche Darmkrebsoperationen setzen viel Erfahrung des Chirurgen voraus. Besonders die Operationen am Enddarm sind sehr anspruchsvoll. Durch die anatomische Lage des Organs ist es zum einen schwierig das Organ mit seinen umgebenden Lymphgefäß- und Lymphknotenstrukturen komplett zu entfernen und zum anderen liegen in dieser Region Harnblase, Sexualorgane und Schließmuskel, deren Funktion unbedingt erhalten werden sollte.